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Wie Triathlon mein Herz erobert hat

Mein erstes Triathlon-Jahr liegt hinter mir, die Saison ist vorbei. Ergebnis: Zwei Halbmarathons, ein Langstreckenschwimmen und zwei Triathlons. Das ist für mich schon ziemlich viel. Warum? Weil ich früher ehrlich gesagt selten an einem Wettkampf teilgenommen habe. Okay, mal den Tegernseelauf da oder ein Silvesterlauf dort. Doch bislang ging es mir eher darum, einfach Sport zu treiben und weniger, auf ein Ziel hinzutrainieren. Und heute kann ich auch behaupten, das sind wirklich zwei ganz verschiedene Welten. Weil es schlichtweg zwei ganz verschiedene Ansätze sind, wann man wie oft und wie intensiv trainiert. Beziehungsweise das eine hat einen Ansatz, das andere eher nicht. Was auch total okay ist, man muss bestimmt nicht immer einen Plan haben. Zumindest nicht, solange man die richtige Einstellung zum Sport hat und auf seinen Körper hört.

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Mein erster Halbmarathon in 1:49h beim Münchener Stadtlauf im Mai 2017

Dieses Gespür hatte ich allerdings nie, denn früher ballerte ich einfach drauf los, gerade so wie mir der Kragen stand und bin halt geschwommen, wenn Laufen verletzungs- oder überlastungsbedingt nicht ging. Naja und Radfahren war eigentlich immer eine Freizeitbeschäftigung am Wochenende – meist stundenlang im Wohlfühl-Kaffeefahrt-Tempo auf einem viel zu großen Fahrrad. Diesen, sagen wir mal, Nicht-Ansatz habe ich das komplette Jahr so durchgezogen – nicht mal eine Woche habe ich ruhiger gemacht, nicht mal zwei Tage wenn ich ehrlich bin. Erst laufen, laufen, laufen bis es nicht mehr ging. Und dann radeln, radeln, radeln, bis das auch nicht mehr ging und dann schwimmen, schwimmen, schwimmen, bis auch hier die Schultern irgendwann nicht mehr wollten. An Motivation mangelte es mir offenbar nie, doch am Sinn und Verstand für ein zielgerichtetes und gesundes Trainieren.

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Mein erstes Langstreckenschwimmen im Starnberger See im Juli! Dank Unterstützung meiner Lieblingsmenschen ein mega tolles Erlebnis

Dieses Jahr aber lief alles anders. Denn e(eeeee)ndlich habe ich gelernt, besser auf meinen Körper und erfahrenere Leute zu hören. Nachdem mein lädierter Fuß seit diesem Frühjahr wieder einsatzbereit war (in meinem Sprunggelenk hielt sich lange ein hartnäckiges Knochenmark-Ödem), steckte ich mir konkrete Ziele und habe gemeinsam mit meinem Freund und unseren besten Freunden, die Triathlon schon seit ein paar Jahren machen, ein paar schöne Wettkämpfe rausgesucht. Unter anderem dann meine beiden ersten Triathlons. Eigentlich bin ich ja nicht so die Wettkampf-Maus wie z.B. meine beste Freundin Christina. Dementsprechend schlackerten schon beim Anmelden meine Knie. Was aber völlig unbegründet war! Denn das Training machte irre Spaß, ergab auch das erste Mal einen wirklichen Sinn und bescherte mir bei den Rennen unglaubliche tolle Momente, an die ich mich wohl mein Leben lang erinnern werde.

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Endlich habe ich mir ein gescheites Rennradl zugelegt, meine Candy 🙂

Was hat sich verändert? Ich habe mich intensiver mit Themen wie Superkompensation, Wettkampf-Ernährung und Regeneration beschäftigt, habe das erste Mal Wechselzonen-Trainings absolviert und auch das erste Mal einen richtigen Schwimmkurs belegt. Und aus langen langsamen Radausfahrten auf der alten Kiste meines Freundes sind knackige Einheiten auf meiner schnellen und leichten „Candy“ geworden, die ich größtenteils schon vor der Arbeit abhaken konnte. Dank eines Trainingsplanes habe ich Anleitungen für vernünftige und zielführende Einheiten bekommen, trainierte zu 80% danach und kam am Ende der Woche immer auf 8 bis 12 Stunden. Das ist keinesfalls mehr als ich vorher gemacht habe, daher konnte mich der zeitliche Invest kaum überfordern. Eines der wichtigsten Veränderungen in meinem Alltag ist jedoch das regelmäßige Stabi-Training und Besuche beim Physio – hier merke ich an meinem Körper wirklich die stärksten Fortschritte. Und im Laufe der über die Monate gezielten Vorbereitung habe ich in allen Bereichen Fortschritte gemacht und konnte fit und gesund an alle Starts gehen.

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Gemeinsam ist man stark: Ohne diese drei Buddys hätte ich sicher nicht so viel Selbstvertrauen in mich selbst setzen können.

Und was brachte mir das nun? Nun ja, die Wettkämpfe waren natürlich super aufregend und eine ganz neue Erfahrung für mich. Aber nicht nur die Rennen waren ein Highlight: Das Ganze drum herum war eine Bereicherung für mein gesamtes (sportliches) Leben und ich habe mich selbst noch einmal viel besser kennengelernt. Triathlon ist – und da werden mir die meisten Triathleten vermutlich zustimmen – nicht nur ein (sehr intensiver) Sport, sondern eine Lebenseinstellung, ein Lifestyle und auch eine Eigen-Therapie. Kein Wunder: Man beschäftigt sich mental wie auch körperlich rund um die Uhr mit dem Thema und entwickelt eine ganz eigene spezielle Art, sich im Alltag zu managen und selbst wahrzunehmen. Kurz gesagt ist Triathlon absolut heilsam und für mich der beeindruckendste Sport der Welt. Ich bin dankbar, Teil davon sein zu dürfen und mich von so vielen Gleichgesinnten inspirieren lassen zu können.

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Eine meiner größten Ängste habe ich dieses Jahr auch überwunden: Das Freiwasserschwimmen.

Jedenfalls kann ich es kaum erwarten, mir für nächstes Jahr neue Ziele zu stecken. Doch jetzt ist erst mal noch eine Zeit lang die sogenannte „Off-Season“ angesagt – eine Phase im Jahr, wo man buchstäblich planlos durch die Gegend sportelt oder auch einfach mal gar nichts macht. Auch das ist eine neue Erfahrung für mich, doch sie tut soo gut. Denn: „Wer 365 Tage im Jahr Vollgas gibt, geht irgendwann kaputt“. Dieser Satz hat sich bei mir eingeprägt wie kaum ein anderer, als ich neulich einen Artikel zum Thema Off-Season im Triathlon Magazin gelesen habe. Und weil ich ja gelernt habe, auf erfahrenere Menschen zu hören, nehme ich mir das jetzt einfach auch zu Herzen und trabe, rolle und plantsche noch ein bisschen durch die Gegend. Eigentlich wie früher, nur jetzt mit dem gewissen Sinn und dem gewissen Verstand 😊

Bis nächstes Jahr also, Aloha!

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