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Kann man zu gesund essen?

Gesunde Ernährung ist besonders für aktive Menschen das absolute Nonplusultra und für einen sportlichen Lifestyle essentiell. Diesen Satz hätte ich bis vor kurzem ohne Wenn und Aber unterschrieben. Genauer gesagt, bis vor acht Wochen. Da musste ich schmerzhaft erfahren, dass man es mit dem gesund-essen auch übertreiben kann. Heute sehe ich das Thema differenzierter. Ich denke, dass vor allem Ausgewogenheit eine ganz entscheidende Rolle in einer gesunden und bewussten Ernährungsweise spielt. Eigentlich ja logisch! Doch die richtige Balance zu finden, fällt nicht jedem Menschen leicht. Mir als Kontrollfreak jedenfalls ganz und gar nicht.

Ich möchte euch gerne erzählen, was vor zwei Monaten passiert ist.

Eigentlich lief alles gut: Ich verfolgte den Ansatz, so wenig wie möglich (schlechtes) Fett und Zucker zu konsumieren, dafür massenweise Gemüse und Obst. Dafür Fertigprodukte zu vermeiden und allem voran Proteine, Proteine, Proteine zu essen! Egal ob in Form von Quark, Thunfisch oder Hülsenfrüchte: Eiweiß musste in den Körper, denn es macht satt, formt Muskeln und wird nach dem Verzehr sofort wieder verbrannt. Sprich: Eiweiß setzt nicht (an der falschen Stelle) an, liefert Energie und sorgt für eine schnelle Regeneration nach dem Training. Der Plan ging auf: Ich fühlte mich gesund, stark, schlank und selbstbewusst. Bin passable Zeiten gelaufen und habe mit der Zeit sogar einen kleinen Sixpack am Bauch erkannt. Burpees rauf und runter, irre effektiv!

Grundsätzlich ist an dieser – sagen wir einmal – disziplinierten Ernährungsweise ja auch nichts falsches. Beinahe jeder (Sport)Ernährungsheini predigt vom sogenannten Clean Eating Ansatz und rät zu eiweißreicher Kost. „Du bist, was du isst“, sagte schon meine Oma immer und war Zeit ihres Lebens kerngesund und super fit. Meine Oma hat Quark mit Früchten gefrühstückt. Aber abends auch mal Schnitzel mit Spätzle gegessen (die Frau hat gekocht, das kann man gar nicht erzählen). Die Portion Gemüse gab’s freilich aber auch dazu – als Kind fand ich Brokkoli doch noch weniger spannend als heute. Oh und Laugenbrezeln hatte sie immer da! „Kind, nimm dir eine Brezel auf die Hand, wenn du Hunger kriegst, die gibt dir schnelle Kraft für den Sportunterricht“. Kluge Oma.

Ich hätte gern ihr Gesicht gesehen, wenn ich ihr von Quinoa, Chia und dem richtigen Verhältnis von Omega-3 zu Omega 6-Fettsäuren erzählt hätte. Und wenn ich ihr gesagt hätte, dass ich über ein Kilo Milchprodukte am Tag vertilge, dafür aber seit fünf Jahren kein Schnitzel mit Spätzle.

Aber zurück zur Geschichte.

Ich dachte, nach einem 3-jährigen Prozess, der geprägt war von bescheuerten Diäten,  Jobwechseln, Beziehungskrisen und einer ordentlich krankhaften Selbstdisziplin gegenüber Sport, Essen und dem ganzen Leben, endlich die Balance gefunden zu haben. Bis der linke Knöchel im Herbst 2015 immer dicker wurde und nach und nach die Gelenke anfingen zu schmerzen. Erst einmal denkst du, es geht schon wieder von alleine weg. Irgendwann nimmst du Ibuprofen, um den Schmerz zu unterdrücken und weiter zu trainieren. Und irgendwann gehst du dann doch zum Arzt, weil du nicht mal mehr die Treppe runterkommst ohne ein schmerzverzerrtes Gesicht. Diagnose: Knochenmarködeme, Gelenkentzündungen und Knorpelschäden. Mindestens 6 Wochen Laufpause. Von Burpees ganz zu schweigen.

Uff.

Wo kommen diese Ödeme und Entzündungen her und wie kann man sie behandeln? der größte Punkt war keine große Überraschung: Übertraining. 7 Tage pro Woche Laufen und Bodyweight Training sind für meinen Körper – die Sehnen, Gelenke, Knochen und Muskeln – wohl einfach zu viel. „Geh aber auch noch zum Internisten und lass dich ordentlich durchchecken“, flötete der Orthopäde mit einem dicken Grinsen im Gesicht. Hä? Obwohl der Zusammenhang für mich erst mal nicht klar war, bin ich brav hingegangen. Und nicht nur das: Mit vielen Menschen habe ich gesprochen, die erstaunlichsten Geschichten gehört und Dinge über den menschlichen Körper gelernt, die für mich erst mal nur frustrierend waren.

  • Fakt 1: Man kann es mit der gesunden Ernährung wahrlich übertreiben
  • Fakt 2: Ohne Fett und Zucker nimmt der Körper die vielen guten Nährstoffe aus der Nahrung gar nicht auf
  • Fakt 3: Eiweiß ist auch nicht immer das Gelbe vom Ei
  • Fakt 4: Mit einem Mangel an Nährstoffen bei gleichzeitig intensivem Training baut der Körper langsam ab und wird anfällig – für Krankheiten, Entzündungen, Schlafstörungen und Verletzungen. Damit sind nur ein paar der Konsequenzen genannt. 

Was heißt das nun für mich? Neben der besagten Laufpause in Verbindung mit regelmäßigen Physio- und Blackrollsessions gibt’s nun täglich einen Cocktail an bunten Pillchen, die den Nährstoffhaushalt erst mal wieder ins Reine bringen sollen. Dazu gehören unter anderem Kalzium, Magnesium und Vitamin D – alles Stoffe für gesunde, starke Knochen. Dazu eine Basenkur, weil die vielen Milchprodukte den Magen übersäuert und ebenfalls Entzündungen hervorgerufen haben. Zu guter Letzt sagt eine Gelatine-Therapie dem Knorpelverschleiß den Kampf an. Puh! Ich hasse Tabletten, aber ich spüre bereits deutlich eine positive Wirkung. Dies zeigt deutlich, dass meine Interpretation von gesunder Ernährung eben doch nicht perfekt ist. Blöd nur, dass diese Erkenntnis so spät kommt. Jetzt muss ich erst einmal wieder einiges gerade biegen und vieles ändern. Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen sind ja nur ein Teil davon. Generell gehört eine Essensumstellung dazu – mal wieder Kartoffeln, Brot, Eier, Käse und Nüsse. Freilich nicht jeden Tag. Ebenso wenig wie jeden Tag intensiver Sport auf dem Plan stehen muss, um einen gesunden Lebensstil zu führen. „Du bist was du isst“ – und ich will gesund sein. Und das geht offenbar nicht nur mit Gemüse und Hüttenkäse, sondern auch mal mit einer Brezel. Oder einem Schnitzel mit Spätzle.Meine Oma war wirklich eine kluge Frau.

By the way: Wen dieses Thema näher interessiert, kann sich gerne unten durch die Links klicken – habe mal eine Liste mit Artikeln erstellt, die mir sehr geholfen haben.

Quellen: 

 

 

 

 

 

 

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2 thoughts on “Kann man zu gesund essen?”

  1. Es ist in meinen Augen eine problematische, nichts desto trotz interessante Entwicklung, dass „gesund“ an vielen Stellen nicht mit Vielfalt, sondern mit ganz bestimmten Nahrungsmitteln verbunden wird. Nicht, dass ich besonders diszipliniert wäre, ganz bestimmt nicht, erst recht nicht so diszipliniert wie Du nach Deiner Beschreibung (weder in Sachen Sport noch in Sachen Ernährung). Allerdings sind viele Dinge, die wir heutzutage bedenkenlos als „gesund“ etikettieren, genau die Nahrungsmittel, die in einer „mitteleuropäisch-westlichen Standard-Ernährung“ ZU selten vorkommen.

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